Kühlschränke, die selbständig Milch nachbestellen, sobald diese auszugehen droht, Industriemaschinen, die frühzeitig melden, dass sie reif für eine Wartung wären und Autos, die teil- oder gänzlich autonom ein Ziel ansteuern: Die Vernetzung nimmt immer mehr Form an. Dass Maschinen zuverlässig, sicher und nicht zuletzt auch bezahlbar miteinander kommunizieren können, ist für den Erfolg im Zeitalter von Industrie 4.0, Internet der Dinge und Co. entscheidend. Nun hat sich ein kleines Start-up aus Liechtenstein auf die Fahne geschrieben, in diesen riesigen Wachstumsmärkten kräftig mitzumischen.

Globalmatix-Gründer Alois Widmann ist in der Telekommunikationsbranche kein unbeschriebenes Blatt. Der Wahlliechtensteiner hat etwa das erste 3G-Netz in Liechtenstein errichtet, war bei der Geburt der Mobilfunktochter der Deutschen Telekom mit von der Partie und hat zahlreiche weitere nationale und internationale virtuelle Mobilfunkbetreiber – also solche, die kein eigenes Radionetz betreiben – mit aufgebaut. Ende 2017 gründete er schliesslich Globalmatix. Dank des über die Jahre aufgebauten Know-hows und Netzwerks konnte er gemeinsam mit zehn Mitstreitern in nur vier Monaten ein Unternehmen aufbauen, dessen Übernahme sich die Softing AG Mitte März knapp 14 Millionen Euro – bezahlt in neuen Aktien – kosten liess. Den deutschen Hard- und Softwarehersteller für die industrielle Automatisierung und Fahrzeugelektronik mit Sitz nahe München überzeugte zum einen die Mobilfunklizenz, über die Globalmatix verfügt und zum anderen der technologische Quantensprung, den der Konzern mit dem Jungunternehmen hinlegen kann. „Softing ist darauf spezialisiert, Telematik-Informationen, quasi das Blutbild von Fahrzeugen, mit kabelgebundenen Steckern auszulesen. In naher Zukunft will das Unternehmen in Fahrzeugen gewonnene Diagnosedaten mit unserer Lösung direkt über ein eingebautes Mobilfunkmodem in die Cloud übertragen“, sagt Widmann. Mit der Übernahme ist zusammen gekommen, was zusammen gehört: Softing hat die Kundenbindungen in der (Automobil-)Industrie, Globalmatix den Zugang zu internationalen Mobilfunknetzen und die Technologie Fahrzeuge und Industrieanlage mit dem Internet zu verbinden und deren Telematikdaten von unterwegs in die gesicherte Cloud hochzuladen.

Widmann holt in seinem Büro an der Fürst-Franz-Josef-Strasse in Vaduz ein Kästchen von rund 20 Zentimeter Länge und 5 Zentimeter Breite hervor. Auf einer Platine reiht sich modernste Computertechnologie an eine leistungsfähige Notstrombatterie sowie an ein Modem inklusive SIM-Karte als Chip. In Kombination mit dem roamingfreien Zugang in internationale Mobilfunknetze könnte Globalmatix Connected-Car-Services zum Durchbruch verhelfen. Anwendungsbeispiele sind etwa Zugriffe in Echtzeit auf Diagnosedaten in Fahrzeugen, Flotten-Management für Grossbetriebe und Leasing-Gesellschaften, Diebstahlüberwachung, Geo-Standortdaten, Car-Sharing sowie Fahrprofile in Liefer- und Service-Fahrzeugen. Hersteller schwerer LKW können ihren Kunden mit den künftig angebotenen Diensten neue Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use anbieten. Da die Diagnosedaten aus den Steuergeräten der Fahrzeuge ermittelt werden, wie sie sonst nur in einer Werkstatt ausgelesen werden könnten, sollen laut Widmann im ersten Schritt auf den Markt die heute üblichen Wartungsintervalle bei Fahrzeugen durch nichtintervallige Wartung abgelöst werden. Fahrzeugdaten können etwa auf Bauteile hinweisen, die in nächster Zeit kaputt zu gehen drohen. „Dadurch weiss der Kunde, was genau in der Garage gemacht werden muss – das schafft Transparenz und Vertrauen. Und es sorgt dafür, dass Pannen der Vergangenheit angehören“, sagt Widmann, der von einem immensen Markt spricht. Derzeit gibt es auf der Welt rund 1,3 Milliarden Autos, die mit der Lösung von Globalmatix smart gemacht werden könnten.

„Wir sind ein digitaler und innovativer Disruptor“

Mit TomTom oder Bosch gibt es auf dem Markt auch namhafte, aber nur vermeintliche Konkurrenz für das ambitionierte Start-up. Die Margen in der Auto- und Transportindustrie sind extrem klein. Der Nutzen der Implementierung muss daher laut Widmann um ein vielfaches höher sein, als deren Preis. Globalmatix’ Produkt kostet nur etwa ein Drittel dessen, was Mitbewerber im Angebot haben. Ausserdem bietet niemand aus einer Hand die Kombination aus Diagnosekompetenz, günstiger Hardware und Datentarifen sowie die Bereitstellung in einer sicheren Cloud an. „Wir sind ein digitaler und innovativer Disruptor“, sagt Widmann.

In Zukunft will Widmann auch mit den Industriebetrieben in Liechtenstein zusammenarbeiten und an Industrielösungen bei Machine-to-Maschine (M2M)- und Internet-der-Dinge-Anwendungen mitarbeiten. „Ich sehe an die 15 Partner, die da in Frage kommen“, sagt Widmann. Diese seien alle bei der Standortinitiative mit von der Partie. „Daher ist digital-liechtenstein.li auch eine ideale Plattform für uns, denn Grosses entsteht immer im Kleinen zuerst.“

|Von Stefan Lenherr
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